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Jannis Kounellis – Kohle und Stahl, Feuer und Rauch

Jannis Kounellis: Ohne Titel, 1991, Kohle auf Stahlplatte, 200x180 cm

„Eisen und Kohle stellen für mich die Materialien dar, die am besten die Welt der industriellen Revolution und damit die Ursprünge der heutigen Kultur widerspiegeln.“ (Kounellis 1989)

Die Galerie Lelong in Zürich zeigte 1991/1992 neben anderen Arbeiten von Jannis Kounellis 7 Stahlplatten im Format 200x180cm, auf die in Reihen faustgroße Kohlebrocken angebracht waren. Die roh belassenen Stahlplatten sind am oberen Rand mit zwei Löchern versehen, womit sie auf eigens dafür gefertigten Bolzen aufgehängt werden. Diese spezielle Aufhängung ist notwendig, denn die massiven Platten mitsamt der Kohlestücke sind sehr schwer (ca. 300kg). Der geradezu gewalttätige Eindruck wird etwas gemildert durch die Drähte, die als feine Linien kreuzförmig die Kohlestücke überziehen und ein zeichnerisches Element bilden.

Zwischen Bild und Skulptur changieren diese Werke. Der rahmenlose, unvermittelt in der Wand stehende Bildträger, die Stahlplatte offenbart seine Plastizität durch sein unverdecktes Volumen. Und die Kohlebrocken treten unverkennbar aus dem Bildgrund hervor. Kaum scheinen sie eine Beziehung zum Bildgrund zu haben. Sie schweben vor dem Bildgrund, der nicht wirklich deren Seinsgrund ist. Erst die feinen Drähte machen diese Beziehung wieder deutlich, wie sie zugleich auch den Aspekt des zweidimensionalen Bildes gegen die Emanzipationsbestrebung der Kohleelemente in den freien Raum vor Augen führen.

Dennoch sind sie als Bildmotive in eine strenge, auf das Bildmaß bezogene Ordnung eingebunden. Wie kryptische Gesetzestafeln wirken die Stahlplatten durch die Aufreihung der etwa gleich großen Kohlestücke, die zu Buchstaben oder Wortzeichen werden. Nivelliert man die Unterschiede der Einzelelemente, könnte man auch von einem digitalen Code sprechen, wie er für unsere heutigen Kommunikationsformen konstituierend ist. Dieser Eindruck wird aber umgehend wieder unterlaufen, denn hier haben wir ein Wahrnehmungsangebot, das alles andere ist als ein nur virtuelles und endlos reproduzierbares Bild. Das unmittelbar Materielle – irregulär behauene Kohle und roh belassener Stahl – ist geradezu das hervorstechendste Merkmal der Bilder. So sind sie doch in ihrer jeweils individuellen Erscheinung eher ein bewußter Gegenpol gegen die Flüchtigkeit der technischen Bilder unserer Zeit.

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Ullrich Kounellis

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